Die Sillwelle wurde ursprünglich primär als Spielstelle für den Kajaksport konzipiert.
Die Möglichkeit zur Realisierung der Sillwelle ergab sich im Zuge der Planungen zur Neugestaltung der Mündung der Sill in den Inn. Primäre Ziele waren die Hochwasserschutzverbauung entlang der Sill, die Verlegung eines Dükers oberhalb der Rampe, die Errichtung einer Fischaufstiegshilfe im Bereich der Sillmündung sowie die Verminderung der Flusssohlenerosion im Inn.
Das Nachbecken der Welle mündet unmittelbar in den Inn und ist damit hydraulisch direkt vom Wasserstand des Inns abhängig.
Die in die Planung eingeflossenen Anforderungen der Kajaksportler bestanden im Wesentlichen aus:
einem etwa 1,8 m tiefen Nachbecken, um beispielsweise mit dem Kajak einspitzeln zu können. Die Welle wird in diesem Zusammenhang auch als Rodeowelle bezeichnet;
einer seitlichen Kehrwasserströmung, um aus dem Unterwasserbereich im Rotationsbetrieb möglichst mühelos wieder in die Welle einfahren zu können.
Ferner mussten weitere Nutzer- und Interessengruppen, etwa aus dem Bereich des Fischereiwesens, mit ihren Anforderungen in den Planungsprozess eingebunden werden.
Als Wellentypologie wurde jene der abrupten negativen Sohlstufe gewählt. Dabei schießt das Wasser nahezu horizontal in beziehungsweise knapp unter die Oberfläche des Nachbeckens ein und sollte dort, unter Abbau kinetischer Energie, zu einer surfbaren stehenden Welle auflaufen.
Abb. 1, Kandler 2008: 37: Innsbruck, Sillwelle. Die stehende Welle hätte sich nach ursprünglicher Planung bei lediglich zwei wohldefinierten Wasserständen von Sill und Inn entweder an der oberen S-förmigen Rampenkante oder an der unteren Absturzkante ausbilden sollen. Dies trat jedoch nicht ein.
Bei der Bauausführung wurde hinreichend präzise nach Planvorgabe gearbeitet. Die angegebene Lagegenauigkeit betrug beim Beton 1 cm und bei den Flussbausteinen 4 cm.
Die erwartete, klar definierte Wellentypologie in den in Abb. 1 dargestellten Proportionen konnte ich bislang in der Natur weder in surfbarer noch in annähernd surfbarer Form beobachten, auch nicht bei einfacher Absturzkante.
Lageplan Modell Donau Consult 2008 (2x clicken für 100% Ansicht)