Die nicht funktionierende Sillwelle in der Praxis:
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Abb. 1 (eigene Aufnahme): Innsbruck, Sillwelle: Das Wasser schießt über eine hydraulisch komplexe, S-förmig ausgeprägte Rampenkante in das Nachbecken.
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Hierzu einige Eckdaten der Entstehungsgeschichte:
- Im Jahr 2007 wurden am Institut für Wasserbau und Hydrometrische Prüfung Wien Modellversuche im Maßstab 1:25 durchgeführt. Hierfür wurde eine durchaus aufwendige Modellanlage errichtet; die Ergebnisse wurden in Form einer Masterarbeit zusammengefasst (Kandler 2008).
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Abb. 2 (Kandler 2008: 41): Versuchsmodell im Maßstab 1:25. Untersuchungen und Optimierungsprozess am Institut für Wasserbau und Hydrometrische Prüfung Wien.
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Nach den Ergebnissen aus Berechnungen, Modellbildung und Optimierungen wurde die Anlage in Innsbruck in der Natur ausgeführt. Wie bekannt, bildete sich jedoch keine surfbare Welle.
- Daraufhin wurden weitere, teilweise aufwendige Experimente beziehungsweise bauliche Änderungen durchgeführt:
- Einschnürung der schießenden Wassermassen durch Einbringen zweier vorgefertigter, schwerer keilförmiger Betonelemente beidseitig an den Rampenwänden.
- Anbringung rauer Matten auf der geneigten Rampe zur Minderung der Fließgeschwindigkeit.
- Versuchsweises Einheben einer etwa 60 cm hohen vertikalen Sohlschwelle aus Stahl im Bereich der Wellenbildung im Nachbecken. Hierbei hätte sich eine surfbare Welle ausgebildet. Diese Sohlschwelle hätte jedoch für Kajakfahrer, insbesondere im Rodeokajak, ein Hindernis dargestellt (nicht verifizierte Information).
- Im Dezember 2012 wurde seitens der Stadt beschlossen, das Experimentieren zu beenden und den „wasserbehördlich genehmigten Zustand“ herzustellen. Dies ist besonders schwer nachzuvollziehen, da damals bereits eindeutig ersichtlich war, dass die Anlage nicht funktionieren würde. Dies geschah im März/April 2012 durch Einbau der definitiven abgerundeten Absturzkante aus Beton.
- Auch an dieser „endgültigen Kante“ bildet sich erwartungsgemäß keine surfbare Welle aus.
- Die Gründe, weshalb die Übertragung der hydraulischen und geometrischen Parameter aus dem Modellversuch in die Wirklichkeit nicht erfolgreich war, sind im Einzelnen noch „offiziell“ großteils unbekannt werden derzeit durch Prof. Aufleger (Universität Innsbruck) erforscht worden.
- Festgestellt werden kann derzeit mit Passion, Hausverstand und Recherche (April 2012):
- Das Wasser schießt in der Natur schnell, eventuell zu schnell, über die Rampe, etwa mit > 7 m/s statt 5 m/s. Dadurch kann es dem S-förmigen Stufenprofil nicht folgen, sondern löst vorzeitig ab.
- Im Nachbecken verwirbelt das einschießende Wasser in großräumigen Kehrströmungen, Rotoren und lebensgefährlichen Grundwalzen.
- Zahlreiche berechnete und im Modell „validierte“ Parameter lassen sich nicht hinreichend genau in die Natur übertragen. Hierzu zählen unter anderem Viskosität, Oberflächenspannung, Reibung an der Rampensohle sowie die damit korrelierenden Effekte von Lufteinschlüssen.
- Mangels Einstellmöglichkeiten an der Rampe kann kein iterativer Lernprozess stattfinden; vgl. im Gegensatz hierzu die Einstellmöglichkeiten an der Almwelle Salzburg. Auch die Almwelle funktionierte nicht wie ursprünglich konzipiert, da die Welle nur am Spoiler und aufgrund des Spoilers springt.
- Die Geometrie des Versuchsmodells sollte bei bestimmten harmonierenden Konstellationen von Inn- und Sillpegel zwei surfbare Arbeitsbereiche aufweisen, entweder an der oberen oder an der unteren Absturzkante. Die vielfältigen Konstellationen von Inn- und Sillpegel zueinander schränken die Möglichkeiten jedoch stark ein. Die enge Kopplung des Pegels im Nachbecken an jenen des Inns trägt zur hohen Komplexität des Gesamtsystems bei.